Beschreibung
Wer Lang Lang sehen und hören möchte, muss heute nicht mehr nach München, Berlin, London oder sonst wohin reisen. Es reicht, sich in die Freiluft-Arena auf Pangaea Island in „Second Life“ zu begeben, jener dreidimensionalen virtuellen Welt, die bereits mehr als sechs Millionen Bewohner hat. Als virtueller Interpret tritt ein sogenannter "Avatar" des Pianisten auf, der von Lang Lang mitentworfen wurde. Zum Glück ist es nicht der Avater selbst, der da spielt - vielleicht kommt es ja noch einmal dazu - sondern immer noch Lang Lang selbst, der die beiden Beethoven Klavierkonzerte Nr. 1 und 4 interpretiert und es auf der gleichzeitig erschienenen CD demonstriert. Beethoven, der enorm virtuose Pianist und zugleich herzbewegend zarte Tondichter: heftiges Aufbäumen gegen das Schicksal und wehmütige Herzlichkeit und stille Resignation. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Deutung seiner Klavierkonzerte. An Wut und Ungestüm, an majestätischer Virtuosität lässt der junge Lang Lang es in seinem Vortrag wahrlich nicht fehlen. Doch die poetische Verzauberung des Hörers, jener unwiderstehliche Sog in eine geistige Welt, die immer neue Nuancen bereithält und den eigenen Horizont musikalisch erweitert, will Lang Lang nicht gelingen, trotz technisch glasklarer Perfektion, glänzender Geläufigkeit, mancher berückenden Piano-Passage und ungefragt großer pianistischen Leidenschaft. -- Teresa Pieschacón Raphael